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ERFAHRUNGSBERICHT

Versorgung mit Stomaprodukten in Österreich

Uns geht's doch wirklich gut oder etwa nicht?

Schon länger wollte ich einen Aufsatz über die gute Versorgung mit Stomaprodukten in Österreich, in meinem Heimatland schreiben und was wäre wenn dem nicht so wäre.

Den Auslöser wirklich damit zu beginnen gab ein kurzer Bericht auf der http://www.ostomy.evansville.net/ Homepage, der genau diesen Gedanken ansprach. Müssen wir nicht wirklich dankbar sein, dass wir uns weder um die Verfügbarkeit, freie Auswahl, noch um die Kosten groß kümmern müssen. Natürlich ist mir bewusst, dass nicht alle nötigen Accessoires gratis zur Verfügung stehen oder manche gekürzt wurden und die Betroffenen und ihre Lobby (falls es diese gibt) aktiv darauf achten müssen, dass uns nicht noch mehr Kürzungen ins Haus stehen. Das schneidet gleich ein zweites Thema der aktiven Vereinstätigkeit an, aber zudem später.

Wer bestimmt in welchem Land man geboren ist? Verschiedene Antworten wird man darauf je nach Religionszugehörigkeit finden oder auch nicht, eine sehr angenehme wäre, "in meinen früheren Leben habe ich mir dieses Glück sozusagen erarbeitet, also weil ich ein so guter Mensch oder mich so stark weiterentwickelt habe, habe ich es mir einfach verdient in diesem Wohlfahrtsstaat zu leben", da kann man sich so richtig nett zurücklegen und alle anderen Menschen, denen es nicht so gut, mit gutem Gewissen vergessen.

Aber was wenn es vielleicht nur Zufall war, dass es uns so relativ gut geht, einfach ein glückliches Karma, ohne Vorleistung passiert, einfach so und genauso könnten wir in einem Flüchtlingslager in Pakistan leben, Staub, Kälte, Wüste, ein Zelt, rationiertes Essen, nicht die geringste Perspektive und vor allem mit einem Stoma? Einfach unvorstellbar oder etwa nicht?

Haben wir unseren Zustand gepachtet oder beschleicht Sie auch manchmal ganz unbewusst, wie ein flauer Magen, dieser unkonkrete Gedanke, dass sich Dinge ändern könnten, vielleicht sogar von heute auf morgen? Nein unmöglich oder doch nicht? Ein atomarer Unfall in einem unserer Nachbarländer z.B., vielleicht überleben wir momentan, müssen aber Monate in geschützten Räumen verbringen und wer versorgt uns dann mit unseren so selbstverständlichen Stomaprodukten?

Ich will gar nicht künstlich Angst oder Sorgen machen, ich frage mich nur ob diese Unsicherheit irgendwie in uns lauert, gar nicht richtig wahrgenommen wird, aber doch da ist, weil wir einfach etwas abhängiger sind als andere Menschen. Natürlich gilt all dies auch für andere kranke Menschen.

Wer nimmt uns eigentlich in Österreich wahr, ist allen Entscheidungsträgern klar womit wir täglich konfrontiert sind, welche kleineren und größeren Notfälle uns jederzeit treffen können, welche zusätzlichen Kosten uns täglich entstehen?

Auf derselben oben genannten Homepage wurde eine Befragung von Leuten auf der Strasse gemacht, was Sie unter einem Stomaträger verstehen. Die Antworten waren erschreckend, teilweise einfach unglaublich, wollen Sie ein paar Beispiele hören? "Meine Tante ist so Eine, aber wir sprechen nie darüber" oder "haben was mit Agrarkultur zu tun, weil ich Sie über Irrigieren sprechen hörte"… Was ich einfach daraus raushöre, Menschen wollen sich nicht gerne mit diesem Zustand konfrontieren oder haben absolut keine Vorstellung darüber, was wiederum bedeutet, wir haben kaum eine Interessensvertretung, eine Lobby, die auf uns schaut oder? Natürlich ist das übertrieben in einem Land wie Österreich, es gibt Gesundheitsbeauftragte und Invaliden-Ämter und ich weiß nicht was sonst noch, aber nichtsdestotrotz bin ich der festen Überzeugung, dass wir ohne ILCO anders dastehen würden.

Was Sie oder vielleicht gerade Sie motivieren sollte bei uns mitzumachen, ganz egal wie oder wie oft oder intensiv, es reicht schon wenn Sie zu einem unserer Treffen in allen Teilen Österreichs kommen oder auch in Wien das monatliche Treffen der "Junggebliebenen Stomaträger" besuchen oder uns nur anrufen und um Rat fragen oder was auch immer. Dadurch werden WIR gestärkt, haben mehr Unterstützung und mehr Echo und hoffentlich mehr Gehör bei den Entscheidungsträgern nicht auf uns zu vergessen! 

Für genauere Details oder Bezugsquellen ersuchen wir um Kontaktaufnahme mit der Wiener ILCO per E-Mail oder Telefon.